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Überlegungen zur Zucht

19 Mrz Überlegungen zur Zucht

Dies soll kein weiterer Artikel sein zum kontroversen Thema Carnica-Buckfast-Zucht. Vielmehr möchte ich einige Gedanken, Anregungen und Überlegungen zur Zucht darlegen. Wenn man die verschiedenen Bienen-Fachzeitschriften liest und Imker diskutieren hört, gewinnt man den Eindruck, dass Fachbegriffe u.a. auch im Bereich der Zucht falsch dargelegt bzw. nicht korrekt interpretiert werden.

Zucht oder Züchtung bedeutet eigentlich nur eine kontrollierte Paarung von Geschlechtstieren und bewusste Auslese zur Erzielung von gewünschten Eigenschaften oder Merkmalen.

Diese Definition hört sich im ersten Moment recht simpel an und wird auch oft von Imkern zitiert. Ich denke, viele Imker sind sich über die Definition überhaupt nicht im klaren, was hier zum Ausdruck gebracht werden soll. Tatsache ist jedoch, dass das Problem bei der kontrollierten Paarung anfängt. Die kontrollierte Paarung bedeutet m.E. doch eigentlich, dass sie nur durch instrumentelle Besamung und nur eingeschränkt auf Belegstellen (Land oder auch Insel) möglich ist. Alle Standbegattungen haben meiner Meinung nach nichts mit Zucht zu tun. Hier handelt es sich lediglich um eine Vermehrung, weil die Anpaarung, die hier erfolgt, väterlicherseits eine Ungewisse ist. Die so gezüchteten Königinnen sind in den meisten Fällen noch hervorragende Wirtschaftsköniginnen. Von daher ist auch das Argument der Carnica-Imker, daß die Buckfast die jahrzehntelange erfolgreiche Carnicazucht zerstört, m. E. nicht zutreffend. Die Aufgabe des Züchters besteht nun darin, durch gezielte Anpaarung und strenge Selektion die gewünschten Ziele zu verfolgen. Diese Arbeit erfordert viel Geduld, Zeit, Geld und ein enormes Wissen, um die gewünschten Resultate zu erzielen. Der gesamte Aufwand wird meines Erachtens jedoch nicht annähernd honoriert.

Die gezüchteten und geprüften Königinnen werden dann den Vermehrungsbetrieben, die nicht immer als solche zu erkennen sind, zur Verfügung gestellt. Aus dem Dargelegten ist wohl eindeutig zu entnehmen, dass jemand, der Königinnen vermehrt, noch lange kein Züchter ist. Um das gewünschte Zuchtziel (Merkmal oder Eigenschaft) zu erreichen, stehen dem Züchter verschiedene Zuchtwege zur Verfügung:

* Reinzucht

* Linienzucht

* Kreuzungszucht

* Kombinationszucht

Unter Reinzucht versteht man immer die Paarung von Geschlechtstieren innerhalb einer Rasse, z.B. Mellifera Carnica mit Mellifera Carnica oder Mellifera Ligustica mit Mellifera Ligustica.

Bienenrassen sind in erster Linie geographische Rassen. Eine geographische Rasse besteht aus einer Population von Bienen, die an die besonderen Lebensbedingungen in der betreffenden Region angepaßt sind. Alle Bienen aus einer Rasse haben bestimmte Gene gemeinsam, was in der Überlebensfähigkeit und im Verhalten zum Ausdruck kommt.

Rassen, mit denen wir es in Europa in erster Linie zu tun haben, sind

* Apis mellifera carnica

* Apis mellifera ligustica

* Apis mellifera mellifera

* Apis mellifera capensis

Innerhalb der Rasse gibt es nun noch verschiedene Linien, bei der Carnica z.B. Sklenar, Troisek etc. Bei der Linienzucht betreibt man die Anpaarung in noch engeren Grenzen.

Im Gegensatz hierzu versteht man unter Linien bei der Buckfast deren Eigenschaften beziehungsweise die Ursprungsrassen der Kreuzung, z.B. Anatolische- oder Athos-Linie.

Bei der Kreuzungszucht erfolgt die gezielte Paarung von Geschlechtstieren unterschiedlicher Rasse, z.B. Mellifera Carnica mit Mellifera Ligustica oder Mellifera Mellifera (Nigra) mit Mellifera Carnica. Die planmäßige Kreuzung setzt jedoch immer eine Reinzucht der anzupaarenden Geschlechtstiere voraus. Ist dies nicht der Fall, so hätte man Zufallskreuzungen, die züchterisch wertlos sind.

Die Kombinationszucht versucht nun die neuen Werte, welche durch den Heterosiseffekt bei der Kreuzung entstanden ist, zu festigen. Es wird zwar immer behauptet, dass eine Königin, welche durch eine Kreuzung entstanden ist, noch Erfolg hat, eine F2-Königin jedoch zu stark aufspaltet. Die Buckfast-Züchter beweisen uns eigentlich doch das Gegenteil, denn sie kreuzen die F2-Königinnen mit den Ursprungsköniginnen zurück, so dass die gewonnenen Eigenschaften stabilisiert werden und erbtreu sind. Hier beginnt nun die eigentliche Arbeit des Buckfastzüchters, so wie ich einen Züchter sehe. Er versucht durch Rückkreuzungen, Kombinationen und Inzuchten, die gewünschten Eigenschaften zu stabilisieren . Diese Arbeit kann sich auf viele Jahre erstrecken. Wenn er Pech hat, treten die gewünschten Erfolge nicht ein und er muß die Linie aufgeben. Sollte sich aber herausstellen, daß die Eigenschaften besser sind als die des Buckfaststammes, dann wird diese Linie dem Stamm zugeführt.

Wenn man sich das Zuchregister der Buckfastzüchter anschaut, so stellt man fest, daß von den 15 aufgeführten Züchtern nur 2-3 Leute fremdes Material wie z.B. Anatolica, Sahariensis, Monticola oder auch original Material aus England einbringen. Alle anderen tauschen lediglich Material aus. Hierin liegt m.E. eine große Gefahr. Ähnlich wie bei der Carnicazucht verflacht dann nämlich der Heterosiseffekt immer mehr.

Die Buckfast ist eine Kreuzung von verschiedenen Rassen, weshalb es meines Erachtens keine Reinzucht-Buckfast geben kann, wohl aber eine reine Buckfast. Buckfast als Rasse zu bezeichnen fällt mir ehrlich gesagt schwer, weil die Buckfast sich durch Neueinfügen von fremdem Material verändert, ja verändern muß, um den Heterosiseffekt so hoch wie möglich zu halten.

Man könnte auch sagen, der Begriff Buckfast steht für die Bezeichnung einer Methode (Kreuzung, Kombination, Inzucht) so wie Bruder Adam den Weg gezeigt hat, Königinnen mit den gewünschten Eigenschaften zu erzielen.

Die Erbtreue, die bei der Kreuzungszucht immer wieder angezweifelt wird, hat wohl als Erster Bruder Adam widerlegt. Die Buckfast-Zucht ist nicht auf morphologische Merkmale (Körpermerkmale) ausgerichtet, sondern auf Eigenschaftsmerkmale, wie z.B.

* Brutnestanlage (vom Unterträger bis zum Oberträger des Rähmchens), dadurch auch bedingte brutnestferne Honigstapelung

* Schwarmträgheit (Zellen brechen zur Schwarmregulierung genügt)

* Durchbrüten bei Trachtbrausen etc.

Und hier verstehe ich einige Buckfastzüchter nicht, die z.B. auf Farbe auslesen, weil es der Kunde wünscht.

Die morphologischen Merkmale bei der Carnica sind in den Zuchtrichtlinien des Deutschen Imkerbundes klar festgelegt. Von den Eigenschaften her ist die Brutnestanlage (Brutnest, Pollenkranz, Honigkranz, dadurch auch brutnestnahe Honigstapelung) markant. In letzter Zeit wurden jedoch Königinnen der Rasse Carnica angeboten, die zwar nach den Körpermerkmalen Carnica-Königinnen sind, jedoch nach den Eigenschaften denen der Buckfast bezüglich der Brutnestanlage und Schwarmverhalten fast identisch sind. Von der Erblehre her wissen wir, dass das, was an Erbgut nicht vorhanden ist, auch nicht herausselektiert werden kann.

Wenn aber nun auf einmal Eigenschaften bei der Carnica vorhanden sind, die in der Ursprungsrasse nicht vorhanden waren, muss meines Erachtens bewusst oder unbewusst fremdes Material eingebracht worden sein, das entsprechende Eigenschaften aufweist. Somit liegt hier ebenfalls eine Kreuzung vor, was die Carnica-Imker dem Buckfast-Imker ja vorwerfen, wobei die Vorwürfe nicht immer sachlich vorgetragen werden z.B.

* Buckfast-Imker sind Nestverschmutzer

* nach der Varroa nun auch noch die Buckfast

* armes Deutschland, deine Carnica-Imker.

Wenn man solche Vorwürfe hört, dann sind die Vorwürfe für mich nicht immer nachvollziehbar. Ich habe nämlich festgestellt, dass die meisten Kritiker mit der Buckfast überhaupt noch keine eigene Erfahrung gemacht haben.

Wenn viele Berufsimker, die in der Zwischenzeit von der Carnica auf die Buckfast einschließlich ihrer eigenen Betriebsweise umgestellt haben, so kann dies nicht mit einer Modeerscheinung zu tun haben. Die Berufsimker sind auf Wirtschaftlichkeit angewiesen und können sich keine Spielereien erlauben.

Auch sollten sich die Carnica-Imker fragen, was die Carnica-Biene, die zur Zeit gezüchtet wird, mit der Ursprungscarnica noch gemeinsam hat. Ein wenig mehr Toleranz von beiden Seiten ist daher von Nöten, um beide Bienen – Carnica und Buckfast – nebeneinander zu halten.

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